Fläche, Boden und Bewirtschaftung

Bauphase, Kabel und Bodenschutz

Was beim Bau eines Windparks auf den Flächen passiert — von Wegebau und Kabeltrasse bis zu Drainagen und Rekultivierung.

Stand: Oktober 2026

Wenn alle Genehmigungen vorliegen, beginnt der Bau. Für die Flächen und die Menschen in der Umgebung ist das die Phase mit den sichtbarsten Veränderungen: Bagger, Betonmischer, Schwertransporte und schließlich ein großer Kran.

Ablauf des Baus

Der Bau folgt meist dieser Reihenfolge:

  1. Wege und Kranstellflächen: Zufahrten und Kranstellflächen werden mit Schotter auf einer tragfähigen Unterlage hergestellt. Für die Transporte müssen Kurven teils vorübergehend aufgeweitet werden.
  2. Fundament: Die Baugrube wird ausgehoben, Bewehrungsstahl eingebaut und der Beton gegossen. Der Beton braucht anschließend mehrere Wochen, um auszuhärten.
  3. Kabel: Parallel werden die Kabel zwischen den Anlagen und zum Netzverknüpfungspunkt verlegt.
  4. Errichtung: Turmsegmente, Gondel und Rotor kommen per Schwertransport, häufig nachts. Ein Großkran setzt die Teile zusammen. Das Hochziehen des Rotors oder der einzelnen Blätter wird in der Branche „Hochzeit“ genannt.
  5. Inbetriebnahme: Nach Tests und Abnahmen speist die Anlage ins Netz ein.
  6. Rückbau und Rekultivierung der nur temporär genutzten Flächen.

Kabeltrassen durch landwirtschaftliche Flächen

Die Kabel werden in der Regel im offenen Graben, mit einem Kabelpflug oder bei Querungen von Straßen und Gewässern per Bohrung verlegt. Die Verlegetiefe wird so gewählt, dass die übliche Bodenbearbeitung weiterhin möglich ist. Sie wird mit dem Eigentümer vertraglich festgelegt. Die Leitungsrechte werden meist über eine Dienstbarkeit im Grundbuch gesichert.

Auf der Trasse selbst ist nach der Verlegung wieder normale Bewirtschaftung möglich. Einschränkungen gibt es vor allem bei tiefwurzelnden Gehölzen und bei Bauten direkt über dem Kabel.

Schutz von Boden und Drainagen

Schwere Baumaschinen können den Boden verdichten, und diese Schäden wirken oft über Jahre nach. Bodenschutz ist deshalb Teil der Genehmigung. Bewährte Maßnahmen sind:

  • getrennter Aushub und getrennte Lagerung von Oberboden und Unterboden, damit beim Wiedereinbau die ursprüngliche Schichtung entsteht,
  • lastverteilende Platten oder Baustraßen auf befahrenen Flächen,
  • Arbeiten nur bei geeigneter Bodenfeuchte. Nasser Boden ist besonders verdichtungsanfällig,
  • eine bodenkundliche Baubegleitung nach DIN 19639, die die Arbeiten fachlich überwacht. Bei Eingriffen in größere Flächen wird sie in der Regel verlangt.

Drainagen sind auf vielen Ackerflächen in Nordrhein-Westfalen üblich. Sie werden vor dem Bau so weit wie möglich anhand vorhandener Pläne erfasst. Werden Drainagestränge beim Bau angeschnitten, müssen sie fachgerecht wiederhergestellt oder umgelegt werden. Wer dafür zuständig ist und wie Schäden ausgeglichen werden, sollte im Nutzungsvertrag geregelt sein.

Rekultivierung

Temporär genutzte Flächen werden nach dem Bau zurückgebaut: Schotter wird entfernt, verdichteter Unterboden gelockert und Oberboden wieder aufgetragen. Erfahrungen aus dem Leitungsbau zeigen, dass rekultivierte Böden Zeit brauchen. Eine schonende Folgenutzung in den ersten Jahren, etwa mit tiefwurzelnden Zwischenfrüchten, hilft dem Bodengefüge, sich zu erholen.

Ernteausfälle und Bewirtschaftungserschwernisse während der Bauzeit werden üblicherweise entschädigt. Die Einzelheiten sind Gegenstand der vertraglichen Vereinbarungen (siehe Nutzungsverträge und Flächenpools).

Häufige Fragen

Was passiert mit Drainagen beim Bau eines Windrads?

Angeschnittene Drainagestränge müssen fachgerecht wiederhergestellt oder umgelegt werden. Zuständigkeit und Ausgleich von Schäden sollten im Nutzungsvertrag geregelt sein.

Kann man über einer Kabeltrasse weiter pflügen?

Die Verlegetiefe wird so gewählt, dass die übliche Bodenbearbeitung weiterhin möglich ist, und vertraglich festgelegt. Einschränkungen gibt es vor allem bei tiefwurzelnden Gehölzen und Bauten direkt über dem Kabel.

Was ist eine bodenkundliche Baubegleitung?

Eine fachliche Überwachung der Bauarbeiten nach DIN 19639, die Bodenverdichtung und andere Bodenschäden vermeiden soll. Bei Eingriffen in größere Flächen wird sie in der Regel verlangt.

Werden Ernteausfälle während des Baus entschädigt?

Üblicherweise ja. Die Einzelheiten werden in den vertraglichen Vereinbarungen geregelt.

Ein Fachbegriff ist unklar? Im Glossar sind die wichtigsten Begriffe kurz erklärt.

Quellen

  1. DIN 19639 — Bodenschutz bei Planung und Durchführung von Bauvorhaben (2019)
  2. Bayerisches Landesamt für Umwelt — Bodenschutz beim Bau von Windenergieanlagen
  3. top agrar — Böden rekultivieren: Lassen Sie sich Zeit

Die Angaben geben den Stand zum oben genannten Datum wieder. Rechtliche Regelungen ändern sich; im Einzelfall ist der aktuelle Gesetzestext maßgeblich.

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