Natur- und Artenschutz
Fledermausschutz an Windenergieanlagen
Warum Fledermäuse an Windenergieanlagen gefährdet sind und wie Abschaltalgorithmen und Gondelmonitoring sie schützen.
Stand: Oktober 2026
Warum Fledermäuse gefährdet sind
Alle in Deutschland heimischen Fledermausarten sind streng geschützt. Einige Arten jagen im freien Luftraum oder ziehen im Spätsommer und Herbst über weite Strecken, darunter der Große Abendsegler, die Rauhautfledermaus und die Zwergfledermaus. Dabei fliegen sie auch in Höhe der Rotorblätter und können mit ihnen kollidieren.
Die Aktivität der Fledermäuse hängt stark vom Wetter ab. Sie fliegen vor allem
- nachts, besonders in den ersten Stunden nach Sonnenuntergang,
- bei schwachem Wind, weil ihre Beuteinsekten dann ebenfalls fliegen,
- bei warmen Temperaturen,
- in der Zeit von etwa April bis Oktober, mit einem Schwerpunkt im Spätsommer und Herbst.
Abschaltung nach festen Kriterien
Genau in diesen Zeiten erzeugen Windenergieanlagen wegen des schwachen Windes ohnehin wenig Strom. Daraus ergibt sich eine wirksame Schutzmaßnahme: Die Anlage wird abgeschaltet, wenn alle Bedingungen für hohe Fledermausaktivität zusammentreffen. Die Genehmigung legt dafür eine Kombination aus Jahreszeit, Nachtzeit, Windgeschwindigkeit in Gondelhöhe und Temperatur fest, oft ergänzt um Niederschlag.
Weil die Abschaltung nur bei schwachem Wind greift, sind die Ertragsverluste für die Betreiber begrenzt. Sie liegen typischerweise im niedrigen einstelligen Prozentbereich des Jahresertrags.
Gondelmonitoring: Abschaltung nach Maß
Wie aktiv Fledermäuse an einem bestimmten Standort tatsächlich sind, lässt sich vorab nur grob abschätzen. Deshalb ist ein akustisches Gondelmonitoring weit verbreitet:
- In den ersten Betriebsjahren läuft die Anlage mit einem vorsorglichen, eher großzügigen Abschaltplan.
- Gleichzeitig zeichnen Ultraschallmikrofone an der Gondel die Rufe der Fledermäuse auf, meist über zwei Jahre.
- Aus diesen Daten berechnet eine wissenschaftlich entwickelte Software, im deutschsprachigen Raum meist das Programm ProBat, einen auf den Standort zugeschnittenen Abschaltalgorithmus.
- Dieser Algorithmus ersetzt den vorsorglichen Abschaltplan. Je nach Ergebnis wird die Anlage danach seltener oder auch häufiger abgeschaltet.
So werden die Fledermäuse geschützt, ohne dass die Anlage unnötig lange stillsteht. Die Abschaltzeiten werden protokolliert und können von der Naturschutzbehörde überprüft werden.
Weitere Aspekte
Neben dem Betrieb wird auch der Bau betrachtet. Werden für Zufahrten oder Kranstellflächen Bäume gefällt, wird vorher geprüft, ob sie Fledermausquartiere enthalten. Bäume und Gehölze dürfen nach § 39 Abs. 5 BNatSchG grundsätzlich nur zwischen dem 1. Oktober und dem 28. bzw. 29. Februar gefällt werden.
Häufige Fragen
Wann werden Windräder für Fledermäuse abgeschaltet?
In Zeiten hoher Fledermausaktivität: nachts, bei schwachem Wind und warmen Temperaturen, etwa von April bis Oktober. Die genauen Kriterien legt die Genehmigung fest.
Kostet die Fledermausabschaltung viel Ertrag?
Weil sie nur bei schwachem Wind greift, liegen die Ertragsverluste typischerweise im niedrigen einstelligen Prozentbereich.
Was ist ein Gondelmonitoring?
Ultraschallmikrofone an der Gondel zeichnen meist über zwei Jahre Fledermausrufe auf. Daraus wird ein auf den Standort zugeschnittener Abschaltalgorithmus berechnet.
Ein Fachbegriff ist unklar? Im Glossar sind die wichtigsten Begriffe kurz erklärt.
Quellen
- Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende (KNE) — Durchschnittswindgeschwindigkeit und ergänzende Parameter bei der Fledermausabschaltung (Antwort Nr. 352)
- Ripperger, S. & Rudolph, B.-U. — Fledermausschutz bei Windkraftvorhaben (FAU Erlangen-Nürnberg, 2024)
- Forschungsvorhaben RENEBAT I–III und Software ProBat (Universität Hannover u. a.)
- Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG), § 39 Abs. 5 und § 44 Abs. 1
Die Angaben geben den Stand zum oben genannten Datum wieder. Rechtliche Regelungen ändern sich; im Einzelfall ist der aktuelle Gesetzestext maßgeblich.