Natur- und Artenschutz
Klimabilanz und Recycling
Wie viel Treibhausgas bei Herstellung und Betrieb einer Windenergieanlage entsteht, wie schnell sich das ausgleicht und was mit den Materialien am Ende geschieht.
Stand: Oktober 2026
Die Klimabilanz über den Lebenszyklus
Eine Windenergieanlage erzeugt im Betrieb keine direkten Emissionen. Für Herstellung, Transport, Bau, Wartung und Rückbau werden aber Energie und Material eingesetzt, vor allem Stahl und Beton. Eine vollständige Klimabilanz betrachtet deshalb den gesamten Lebenszyklus.
Das Umweltbundesamt hat die Ökobilanzen von Windenergie- und Photovoltaikanlagen 2021 umfassend aktualisieren lassen. Zentrale Ergebnisse für Windenergieanlagen an Land:
- Die energetische Amortisationszeit, also die Zeit, bis eine Anlage so viel Energie erzeugt hat, wie für ihren gesamten Lebenszyklus aufgewendet wird, liegt je nach Standort bei rund 2,5 bis 3,2 Monaten.
- Die Treibhausgasemissionen je erzeugter Kilowattstunde liegen auch unter ungünstigen Annahmen um ein Vielfaches unter denen der Stromerzeugung aus fossilen Energieträgern.
Den größten Anteil an den Emissionen hat die Herstellung, insbesondere von Turm und Fundament. Längere Betriebszeiten und höhere Erträge verbessern die Bilanz pro Kilowattstunde weiter.
Was am Ende recycelt wird
Eine Windenergieanlage besteht überwiegend aus Materialien, für die es seit Langem etablierte Recyclingwege gibt:
- Beton aus Fundament und Betontürmen wird gebrochen und zum Beispiel als Recyclingbaustoff im Straßen- und Wegebau eingesetzt.
- Stahl aus Turm, Gondel und Bewehrung wird eingeschmolzen und wiederverwendet.
- Kupfer und Aluminium aus Generator, Kabeln und Elektronik werden zurückgewonnen.
Nach Angaben des Umweltbundesamts ist der weit überwiegende Teil der Masse einer Windenergieanlage gut recycelbar.
Die Herausforderung Rotorblätter
Schwieriger ist der Umgang mit den Rotorblättern. Sie bestehen überwiegend aus glasfaserverstärktem Kunststoff, teilweise auch aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff, sowie aus Balsaholz oder Schaumstoffen. Diese Verbundwerkstoffe lassen sich nur schwer wieder in ihre Bestandteile trennen.
Seit 2005 dürfen solche Abfälle in Deutschland wegen ihres organischen Anteils nicht deponiert werden. Heute werden ausgediente Rotorblätter in der Regel vor Ort zerlegt, zerkleinert und von Metallteilen befreit. Das Material wird dann überwiegend in Zementwerken verwertet. Der Kunststoffanteil dient als Brennstoff, die Glasfasern ersetzen mineralische Rohstoffe im Zement.
Forschung und Industrie arbeiten an weiteren Verfahren, etwa an der Rückgewinnung von Fasern und an Rotorblättern aus recycelbaren Harzen. Einige Hersteller bieten solche Blätter bereits an.
Verantwortung beim Rückbau
Wer eine Anlage betreibt, ist zum Rückbau und zur ordnungsgemäßen Entsorgung verpflichtet. Wie der Rückbau rechtlich abgesichert ist, erklärt der Beitrag Rückbau am Ende der Betriebszeit.
Häufige Fragen
Wie schnell hat ein Windrad die Energie für seinen Bau wieder erzeugt?
Nach einer Studie im Auftrag des Umweltbundesamts je nach Standort nach rund 2,5 bis 3,2 Monaten.
Kann man Windräder recyceln?
Der weit überwiegende Teil der Masse, vor allem Beton, Stahl, Kupfer und Aluminium, lässt sich mit etablierten Verfahren recyceln.
Was passiert mit alten Rotorblättern?
Sie dürfen in Deutschland seit 2005 nicht deponiert werden. Sie werden zerkleinert und überwiegend in Zementwerken verwertet.
Ein Fachbegriff ist unklar? Im Glossar sind die wichtigsten Begriffe kurz erklärt.
Quellen
- Umweltbundesamt — Aktualisierung und Bewertung der Ökobilanzen von Windenergie- und Photovoltaikanlagen unter Berücksichtigung aktueller Technologieentwicklungen (Climate Change 35/2021)
- Umweltbundesamt — Rotorblattaufbereitung und Recycling
- Umweltbundesamt — Emissionsbilanz erneuerbarer Energieträger (Climate Change 50/2022)
Die Angaben geben den Stand zum oben genannten Datum wieder. Rechtliche Regelungen ändern sich; im Einzelfall ist der aktuelle Gesetzestext maßgeblich.