Windenergieanlagen im Wohnumfeld

Eisansatz im Winter

Wann sich an Rotorblättern Eis bildet, wie Anlagen das erkennen und worauf man unter einer Windenergieanlage im Winter achten sollte.

Stand: Oktober 2026

Wann sich Eis bildet

Wie an Bäumen, Stromleitungen oder Autos kann sich auch an Rotorblättern Eis bilden. Besonders anfällig sind Wetterlagen mit Temperaturen um den Gefrierpunkt und hoher Luftfeuchtigkeit, etwa bei Nebel, Nieselregen oder Eisregen. In Nordrhein-Westfalen kommt das je nach Region einige Tage im Jahr vor, in Mittelgebirgslagen häufiger als im Flachland.

Eiswurf und Eisfall

Man unterscheidet zwei Situationen:

  • Eiswurf: Eis löst sich vom drehenden Rotor und wird weggeschleudert. Das wollen die Sicherheitssysteme verhindern.
  • Eisfall: Eis fällt von der stehenden Anlage herab, vom Rotor, von der Gondel oder vom Turm. Der Wind kann die Stücke dabei seitlich versetzen.

Wie Anlagen Eis erkennen

Moderne Anlagen verfügen über Eiserkennungssysteme. Je nach Hersteller arbeiten sie zum Beispiel über den Vergleich von Leistung und Windgeschwindigkeit, denn Eis verschlechtert die Aerodynamik messbar, über Schwingungssensoren in den Rotorblättern oder über Sensoren an der Gondel. Erkennt das System Eis, schaltet die Anlage ab und bleibt stehen, bis das Eis abgetaut ist. Wieder angefahren wird automatisch, wenn das System eisfreie Blätter erkennt, oder nach einer Kontrolle vor Ort. Manche Anlagen haben zusätzlich eine Rotorblattheizung, die das Abtauen beschleunigt.

Abstände und Genehmigung

Eisfall und Eiswurf sind Teil der Sicherheitsprüfung im Genehmigungsverfahren. Nach den technischen Baubestimmungen gelten Abstände von mehr als dem 1,5-Fachen der Summe aus Nabenhöhe und Rotordurchmesser zu Verkehrswegen und Gebäuden in nicht besonders eisgefährdeten Regionen im Allgemeinen als ausreichend. Wird dieser Abstand unterschritten, verlangt die Behörde eine Eiserkennung mit automatischer Abschaltung oder ein Gutachten, das das Risiko für den konkreten Standort bewertet. Daraus können weitere Auflagen folgen, etwa Warnleuchten an Wegen.

Was man im Umfeld beachten sollte

Unter einer stehenden, vereisten Anlage kann Eis herabfallen. Deshalb gilt:

  • Warnschilder beachten, die an den Zufahrten und Wegen rund um Windenergieanlagen aufgestellt sind.
  • Den Bereich unter dem Rotor meiden, wenn an der Anlage Eis zu sehen ist oder entsprechende Wetterlagen herrschen. Das gilt auch für landwirtschaftliche Arbeiten.
  • Wer Eisansatz an einer Anlage bemerkt, die sich trotzdem dreht, sollte den Betreiber informieren. Die Kontaktdaten stehen in der Regel auf einem Schild an der Anlage.

Häufige Fragen

Ist es gefährlich, im Winter unter einem Windrad zu stehen?

Bei Eisansatz kann von einer stehenden Anlage Eis herabfallen. Warnschilder weisen darauf hin, den Bereich unter dem Rotor sollte man dann meiden.

Was ist der Unterschied zwischen Eiswurf und Eisfall?

Beim Eiswurf wird Eis vom drehenden Rotor weggeschleudert, beim Eisfall fällt es von der stehenden Anlage herab.

Wie erkennt ein Windrad Eis?

Eiserkennungssysteme arbeiten zum Beispiel über den Vergleich von Leistung und Windgeschwindigkeit oder über Sensoren in den Rotorblättern oder an der Gondel. Bei Eis schaltet die Anlage ab.

Ein Fachbegriff ist unklar? Im Glossar sind die wichtigsten Begriffe kurz erklärt.

Quellen

  1. Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVV TB), Anhang zur Richtlinie für Windenergieanlagen des DIBt — Abstände wegen der Gefahr des Eisabwurfs
  2. Beispiel einer Gefahrenabschätzung für Eisfall und Eisabwurf aus einem Genehmigungsverfahren (UVP-Portal)

Die Angaben geben den Stand zum oben genannten Datum wieder. Rechtliche Regelungen ändern sich; im Einzelfall ist der aktuelle Gesetzestext maßgeblich.

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